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Wenn Müdigkeit zur Krankheit wird: Ursachen, Diagnose und Hilfsmittel

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Mit dem einsetzenden Herbst und den kürzer werdenden Tagen sind viele Menschen besonders von einer Folge betroffen, die diese Veränderungen auf den Körper haben: Sie sind häufiger und länger müde als etwa im Sommer. Doch nicht immer resultiert Müdigkeit aus Umstellungen in unserem Biorhythmus, sie kann unterschiedlichste Ursachen haben – und sich unter bestimmten Umständen sogar zu einer chronischen Krankheit entwickeln.

 

 

Zwischen Symptom und Krankheit

Klassisch ist es der Mangel an Schlaf, der zu Müdigkeit führt. Ein Signal des Körpers, dass Erholung dringend notwendig ist. Ähnlich reagiert der Körper, wenn es im an Sauerstoff, an Flüssigkeit oder an Bewegung fehlt. Phasen von vorübergehender Müdigkeit gehören damit gewissermaßen zum Alltag dazu, sie lassen sich aber vergleichsweise leicht in den Griff bekommen: durch regelmäßige Pausen, durch eine Zwischenmahlzeit, durch ausreichendes Trinken im Tagesverlauf.

Müdigkeit und Erschöpfung treten aber auch häufig im Zuge von Erkrankungen auf und sind dann ein erstes Anzeichen für tieferliegende Probleme des Organismus. Gerade hinter ungewohnt langanhaltender Müdigkeit ist sie gegebenenfalls bereits das erste Symptom, mit dem sich eine Krankheit ankündigt – meistens noch vor einem ausgeprägten Gefühl der Abgeschlagenheit, das von Fieber und/oder starkem Schwitzen begleitet werden kann, wie es üblicherweise bei Grippeinfektionen der Fall ist.

 

Müdigkeit ist nicht gleich Müdigkeit

Grundsätzlich muss allerdings zwischen zwei unterschiedlichen Arten der Ermüdung unterschieden werden. Im Allgemeinen ist mit Ermüdung eine verminderte Leistungsfähigkeit gemeint und zwar sowohl in physischer wie auch in psychischer Hinsicht. Für die Diagnostik ist es aber unerlässlich, die Ursachen präziser zu verorten – nicht zuletzt deshalb, weil die Wechselbeziehungen zwischen beiden Formen oftmals fließend sind.

  • „Periphere Ermüdung“ meint in diesem Zusammenhang die physische Erschöpfung der Muskulatur. Sie entsteht etwa durch eine mangelnde Energiebereitstellung oder durch eine hohe Beanspruchung.
  • „Zentrale Ermüdung“ beschreibt hingegen die psychische Ermüdung, also die Ermüdung des Zentralen Nervensystems. Verantwortlich sind in diesem Fall Veränderungen bei den Botenstoffen. Diese treten aber nicht nur in Folge psychischer Belastungen wie etwa Stress auf, sondern ebenfalls durch körperliche Belastungen.

Sport sorgt in erster Linie für eine „periphere Ermüdung“ der Muskulatur.  Foto: Ivan Kruk/Fotolia

Das Spektrum der Folgen ist ein breites, die Beeinträchtigungen der Leistungsfähigkeit im Berufsleben und im Privaten sind dabei nur die offensichtlichsten Konsequenzen. Problematisch ist dabei nicht der Ermüdungszustand als solcher, sondern der Zeitraum, über den dieser anhält.

 

Wenn die Müdigkeit ungewöhnlich lange auftritt, ist das als Warnsignal des Körpers zu verstehen, dass auf der physischen und/oder psychischen Ebene bislang unbemerkte Probleme bestehen. Sie muss unter diesen Voraussetzungen noch nicht selbst als Erkrankung auftreten, kündigt aber andere Krankheiten als allgemeines Symptom an. Sollten einer oder mehrere der folgenden Punkte zutreffen, ist es ratsam, ärztliche Hilfe einzuholen:

  • Der Schlaf bringt über einen längeren Zeitraum keine Erholung.
  • Schlaf, Ruhephasen und/oder körperliche Aktivität reichen nicht aus, um das Gefühl der Schlaffheit loszuwerden.
  • Die Müdigkeit hält über den sonst üblichen, individuellen Rahmen hinaus an.
  • Die Müdigkeit wechselt nicht, wie üblich, mit Phasen des Wachseins und der Aktivität ab.
  • Die Müdigkeit tritt selbst dann in ungewohnt starkem Maß auf, wenn es vorher keinerlei übermäßige Anstrengungen gegeben hat.
  • Die Belastungen im Alltag nehmen zu, die Leistungsfähigkeit nimmt gleichzeitig ab.
  • Die Müdigkeit wird begleitet von verschiedenen anderen Beschwerden. Diese können von Fieber, Abgeschlagenheit und Schmerzen über Schwindel, nächtliches Schwitzen, Muskelschwäche und Atemnot bis hin zu depressiver Stimmung, Ängstlichkeit und Gedächtnisstörungen reichen.

Müdigkeit als Anzeiger von inneren Erkrankungen

 

Müdigkeit tritt häufig in Verbindung mit inneren Erkrankungen wie Erkältungen auf.  Foto: Svyatoslav Lypypnskyy/Fotolia

Umgekehrt ist Müdigkeit aber noch häufiger eine Begleiterscheinung anderer, beispielsweise innerer Erkrankungen. Ein anhaltendes Gefühl der Ermüdung kann daher ein erstes Indiz für ihr Vorhandensein. Die meisten Menschen werden das etwa in Folge einer Infektionserkrankung kennen, die sich zuerst in einer anhaltenden Schlaffheit äußert. Das trifft bei Erkältungen, grippalen Infekten und Nasennebenhöhlenentzündungen genauso zu wie bei Pfeifferschem Drüsenfieber.

 

Darüber hinaus können Müdigkeit und Erschöpfung Hinweise auf Blutarmut (die unter anderem bei Krebspatienten für Ermüdungserscheinungen sorgt), Herz-Kreislauferkrankungen (wie sie unter anderem im Zusammenhang mit Übergewicht auftreten können) oder Erkrankungen der inneren Organe, vor allem von Lungen, Nieren und Leber sein. Nicht zuletzt verursachen Hormon- und Stoffwechselstörungen eine unübliche Müdigkeit.

Erste Anlaufstelle bei Problemen mit Müdigkeit oder dem Schlafverhalten ist der Hausarzt, wenngleich es mit der Somnologie einen eigenen schlafmedizinischen Fachbereich gibt, der bislang jedoch keine Fachärzte hervorgebracht hat. Bei ausreichenden und nachgewiesenen Kenntnissen auf diesem Gebiet können Ärzte allerdings mit dem „Qualitätsnachweis Somnologie“ ausgezeichnet werden, den die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (GDSM) ausgibt. In vielen Fällen kann aber bereits der Hausarzt eine treffende Diagnose stellen, ohne dass die Untersuchung in einem Schlaflabor unbedingt erforderlich wäre. Das hängt unter anderem damit zusammen, dass die häufigsten Ursachen für übermäßige Müdigkeit sozusagen „hausgemacht“ sind.

 

Wie wir selbst die Müdigkeit fördern

Einer der hauptsächlichen Gründe für Müdigkeitserscheinungen ist unser Lebenswandel. Durch die Art und Weise, wie der Alltag gestaltet wird, wie der Körper behandelt wird, kommt es mit größerer oder geringerer Wahrscheinlichkeit zu häufigeren und langanhaltenderen Ermüdungszuständen.

Schlafmangel als Hauptgrund für Müdigkeit

Das Schlafbedürfnis mag individuell höchst unterschiedlich empfunden werden, obwohl die Mehrheit der Deutschen (60 Prozent) laut der TK-Schlafstudie 2017 zwischen sechs und sieben Stunden schlafen. Nur jeder sechste Befragte schläft acht oder mehr Stunden, wohingegen rund ein Viertel weniger als sechs Stunden Schlaf bekommt. Ein nicht unwesentlicher Faktor ist hierbei der berufliche Alltag, die Arbeitszeiten bestimmen den Tagesverlauf und damit auch die Schlafzeiten.

 

Lange und unregelmäßige Arbeitszeiten bedeuten für die meisten Menschen Schlafmangel.  Foto: Jacob Lund/Fotolia

Besonders unregelmäßige Arbeitszeiten führen dazu, dass die tägliche Schlafdauer verglichen mit dem Durchschnitt häufig kürzer ausfällt: 37 Prozent der Befragten mit flexiblen Arbeitszeiten schlafen fünf Stunden oder weniger, bei den Berufstätigen insgesamt sind es lediglich 25 Prozent. Das empfohlene Minimum von sechs Stunden Schlaf erreichen immerhin rund ein Drittel, der Durchschnitt liegt dabei etwas hinter den Berufstätigen mit unregelmäßigen Arbeitszeiten zurück. Einen deutlicheren Unterschied gibt es dagegen wieder bei den längeren Schlafzeiten. Ein Drittel der Deutschen mit flexibler Arbeitszeitgestaltung kommt auf sieben oder mehr Stunden Schlaf, demgegenüber liegt der Durchschnitt bei 48 Prozent.

 

Neben den Arbeitszeiten und krankheitsbedingten Schlafstörungen, wie sie etwa in Folge von Schlafapnoe, Narkolepsie oder anderen Erkrankungen auftreten, sind es vor allem die zahlreichen Störquellen, die den Deutschen ihren Schlaf rauben. Das Spektrum umfasst unterschiedlichste Faktoren, von privaten wie beruflichen Problemen über Lärm bis hin zum Schnarchen – sowohl das des Partners wie auch das eigene.

Schlaf und falsche Ernährung

Ebenfalls ein häufiges Problem: Die falsche Ernährungsweise in ihren verschiedenen Erscheinungsformen. Abgesehen von zu späten oder zu schweren Mahlzeiten erweisen sich – obwohl wenig überraschend eigentlich – koffeinhaltige Getränke vielfach als Grund für schlaflose Nächte. Selbstverständlich sollen Kaffee, Tee, Limonaden und Energy Drinks zwar genau das tun, die Wirkung wird aber offenbar gerne unterschätzt. Dass die in Energy Drinks zugesetzte Aminosäure Taurin diese Wirkung verstärken soll, ist übrigens im Gegensatz zu vielen nachgewiesenen Effekten auf den Organismus nicht belegt. Anders als beispielsweise die Wechselwirkung von Koffein mit Fetten, die tatsächlich für eine langsamere Aufnahme in den Blutkreislauf und somit für eine längere Wirkung sorgen.

Generell hat die Ernährung einen großen Anteil daran, ob der Schlaf wirklich erholsam wird bzw. wie schnell und häufig sich Müdigkeit einstellt. Fett- und kalorienreiche Mahlzeiten fordern vom Körper beispielsweise größere Anstrengungen bei der Verdauung, entsprechend verlangt dieser nach Ruhe, um seine Aufgabe erfüllen zu können. Langfristig kann aus dieser Ernährungsweise Übergewicht entstehen, das wiederum durch die Belastung des Herzkreislauf-Systems sowie der Beeinflussung des Stoffwechsel- und Hormonsystems für häufigere Erschöpfungszustände sorgt.

 

Schlafapnoe ist eine Ursache für erhöhte Müdigkeit bei übergewichtigen Menschen.  Foto: motortion/Fotolia

Die mit dem Übergewicht einhergehenden Folgeerscheinungen wie Bluthochdruck, Gelenkerkrankungen, aber auch Schlafapnoe verstärken das Müdigkeitsproblem dann zusätzlich. Immerhin gibt es mit der nächtlichen, nicht-invasiven Überdruckbeatmung eine wirksame Therapie für das durch Fettleibigkeit bedingte Hypoventilationssyndrom, das die Atmung erschwert.

 

Umgekehrt verursachen aber auch Schlankheitsdiäten und Untergewicht Müdigkeit, weil es dem Körper an notwendiger Energie für die geistige und körperliche Aktivität fehlt. Problematisch ist überdies die einseitige Ernährung, die oft mit Diäten einhergeht – die sich aber gerne auch außerhalb dieses Zusammenhangs als schwierig erweist. Fehlen wichtige Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente, wirkt sich das negativ auf die Leistungsfähigkeit von Muskeln und Nervensystem aus. In besonders gravierenden Fällen zeigt die Müdigkeit in Folge mangelhafter Ernährung eine psychische Erkrankung an und ist ein Symptom für Magersucht oder Bulimie.

Eine bekannte und doch oftmals unterschätzte Ursache für Müdigkeit ist zu guter Letzt Flüssigkeitsmangel. So lässt sich die morgendliche Müdigkeit nach dem Aufstehen unter anderem aus dem Flüssigkeitsverlust durch die nächtliche Transpiration erklären, die am besten mit Wasser und nicht mit Kaffee bekämpft wird. Neben der Regulierung des körpereigenen Wasserhaushalts ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr außerdem wichtig, um dem Organismus ausgeschiedene Nährstoffe wieder zuzuführen.

Umwelteinflüsse

Längere Phasen der Müdigkeit müssen aber nicht zwangsläufig ein Ausdruck für ein ernsthafteres Krankheitsbild sein, sie gehören unter anderem zum natürlichen Lauf der Dinge. So etwa bei den bekannten Phänomenen der Frühjahrs- bzw. Wintermüdigkeit, die mit dem Wechsel der Jahreszeiten auftreten und daher regelmäßig für nicht unerhebliche Veränderungen im Biorhythmus sorgen.

 

Hitze, Kälte, der Wechsel der Jahreszeiten: Viele äußere Einflüsse machen müde.  Foto: Ivan Kruk/Fotolia

Abgesehen davon lassen sich ähnliche körperliche Auswirkungen auch in einem deutlich kleineren Rahmen beobachten: Kälte und Hitze stellen schließlich ebenfalls Belastungen für den Körper dar, wenn auch mit jeweils unterschiedlichem Hintergrund. Ist der Körper etwa zu lange der Kälte ausgesetzt, besteht die Gefahr der Unterkühlung, die mit dem Drang einhergeht, sich schlafen zu legen. Bei Hitze hingegen ist es vor allem wieder der Flüssigkeitsverlust, der dem Organismus zu schaffen macht, darüber hinaus belasten ihn unter Umständen Entzündungsreaktionen, die bei zu heftiger Sonneneinstrahlung ausgelöst werden.

 

Müdigkeit ist außerdem eine Folge, wenn es zu schnellen und starken Wechseln der Witterung kommt. Landläufig wird dieses Phänomen gerne als „Wetterfühligkeit“ bezeichnet, die genauen Ursachen können aber von Fall zu Fall sehr variieren.

Der Alltag als Belastungsprobe

Wie eingangs des Kapitels bereits ausgeführt, ist es häufig genug der Alltag, der mit seinen vielfältigen Belastungen für eine Ermüdung über das normale Maß hinaus sorgt. Anhaltender Stress ist dabei genauso gefährlich wie Unterforderung. Auf der einen Seite ist es das Gefühl, ständig Höchstleistungen erbringen zu müssen, dass den Körper einerseits über Gebühr fordert, ihm aber andererseits auch nicht die notwendige Zeit für eine ausreichende Erholung zugesteht.

Im umgekehrten Fall macht in erster Linie die Qualität der Müdigkeit den Unterschied zum Dauerstress aus, denn bei Unterforderung macht sich diese vor allem in Antriebslosigkeit bemerkbar. Im Gegensatz zu gestressten Menschen empfinden die Betroffenen in ihrer Situation deshalb stärker ein Gefühl der Unzufriedenheit – die Produktivität, die mit Stress einhergeht, fehlt schlicht und ergreifend.

Neben der beruflichen Tätigkeit an sich ist häufig das Umfeld am Arbeitsplatz verantwortlich für Müdigkeit. Die Ursachen können vielfältig sein:

  • Der Mangel an Frischluft ist beispielsweise problematisch, wobei es in geschlossenen Räumlichkeiten mit verbrauchter Luft nicht so sehr der Mangel an Sauerstoff, als vielmehr der Überschuss an Kohlendioxid ist, der Müdigkeit, Schwindel, Kopfschmerzen und Atemnot verursacht.
  • Besonders bedenklich ist die Kombination mit Kohlenmonoxid und anderen Giftstoffen, da diese langfristig sogar Vergiftungen mit lebensgefährlichen Folgen hervorrufen. Tatsächlich sind viele Arbeitsplätze von dieser Gefahr betroffen, denn die gesundheitsschädlichen Kohlenwasserstoffe sind in Farb- und Klebstoffen, in Lösungs-, Holzschutz- oder Insektenvernichtungsmitteln enthalten. Die müssen dabei nicht einmal zum beruflichen Handwerkszeug gehören, vielfach sind diese Stoffe etwa in Wandfarben, Bodenbelägen und Möbeln verarbeitet.

Daneben gilt insbesondere im Umgang mit Benzol, Blei, Amalgam und schwermetallhaltigen Substanzen äußerste Vorsicht, da auftretende Müdigkeitserscheinungen bereits ein Anzeichen für eine akute Vergiftung sein können.

  • Das Arbeitsumfeld trägt nicht selten auf verschiedene Weise zur Müdigkeit bei.  Foto: fizkes/Fotolia

    Weniger gefährlich, nichtsdestoweniger unangenehm ist die Luftfeuchtigkeit in Arbeitsräumen. Das gilt unter anderem für zu trockene Luft, da diese für Reizungen der Schleimhäute der Atemwegsorgane sorgt. Unter diesen Voraussetzungen können diese ihre Funktion nicht mehr wie üblich erfüllen, wodurch mehr Reizstoffe und Krankheitserreger in den Organismus gelangen. Umgekehrt ist besonders bei hohen Temperaturen eine zu hohe Luftfeuchtigkeit eine erhebliche Belastung für den Körper, da sie unter anderem das Atmen erschwert – der Körper reagiert entsprechend mit Müdigkeit.

Müde durch Medikamente

Müdigkeit als Vorbote oder in Folge einer Erkrankung ist also in vielen Fällen zu beobachten, hinzu kommt aber die Ermüdung, die durch die Behandlung selbst ausgelöst wird. Dazu wird es im Nachfolgenden ausführlichere Ausführungen geben, an dieser Stelle daher nur der Hinweis, welche Medikamente unter anderem zusätzlich dafür sorgen, dass sich der Körper müde fühlt:

  • Blutdrucksenker wie Betablocker (in höheren Dosierungen), außerdem Alpha-1-Rezeptorenblocker und ACE-Hemmer, können Müdigkeit fördern, allerdings kann die regelmäßige Einnahme der Medikamente die Nebenwirkungen auf lange Sicht durchaus verringern.
  • Antiarrhythmika zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen haben in höheren Dosen ähnliche Nebenwirkungen.
  • Schlaf- und Beruhigungsmittel, was keine Überraschung ist – sie können allerdings, je nach Wirkungsdauer und Einnahmezeitraum auch tagsüber für Müdigkeit sorgen.
  • Bestimmte Wirkstoffe in Medikamenten gegen Migräne haben als Nebenwirkung Müdigkeit zur Folge. Das gilt auch für starke Schmerzmittel, die etwa auf Morphin-Basis wirken.
  • Medikamente zur Behandlung von Allergien (etwa Heuschnupfen oder Neurodermitis) können nach wie vor müde machen, allerdings tritt diese Nebenwirkung bei den heute verwendeten Präparaten deutlich seltener auf.
  • Bei Interferonen, mit denen das Immunsystem angeregt werden soll, kann es ebenfalls zu Müdigkeit und Schläfrigkeit als Begleiterscheinungen kommen.
  • Antidepressiva können, solange der Körper noch auf die Medikation eingestellt werden muss, zu verschiedenen, vorübergehenden Nebenwirkungen führen, von denen Müdigkeit eine ist. Ähnlich wirken sich einige Neuroleptika aus.

 

Wenn es für die Psyche zu viel wird

Müdigkeit wird zwar als körperliches Symptom wahrgenommen, die Ursachen sind trotzdem vielfach im Bereich der Psyche anzusiedeln. Stress beispielsweise wäre im Grunde bereits ein solcher Fall, aber bisweilen sind die Zusammenhänge noch schwerwiegender.

Erschöpfung extrem: Burn-out-Syndrom, Depressionen, Angst- und Essstörungen

Bei psychischen Erkrankungen besteht die diagnostische Schwierigkeit in erster Linie darin, eine klare Abgrenzung zwischen Burnout und Depressionen vorzunehmen. Das gilt in gleicher Weise für andere Krankheitsbilder wie etwa Angststörungen. Besonders bei den erstgenannten Erkrankungen sind die Symptome ähnlich oder sogar übereinstimmend. Die Unterscheidung wird nach wie vor in medizinischen Fachkreisen diskutiert, eine Standortbestimmung im Schweizer Archiv für Neurologie und Psychiatrie stellt dennoch einige grundlegende Merkmale heraus:

  • Die Ursachen für Burnout sind demnach in chronischem (beruflichen) Stress zu finden.
  • Anders als ein Burnout sind depressive Erkrankungen nicht allein auf berufliche Faktoren zurückzuführen, zudem gibt es klare medizinisch-klinische Definitionen für die Diagnose, die beim Burnout in dieser Form fehlen.

Das ändert aber nichts daran, dass überschneidende Symptome eine genaue Diagnose im Schnellverfahren verhindern. So wird etwa die emotionale Erschöpfung, die sich auch in körperlicher Kraftlosigkeit äußert, als ein zentraler Aspekt des Burnouts beschrieben, allerdings gehören schnellere Ermüdung und Antriebsverlust auch zu den klinischen Leitsymptomen einer Depression.

Müdigkeit als Krankheitsbegleiter

Daneben sind Tagesmüdigkeit, Antriebslosigkeit, Schlafstörungen und depressive Verstimmungen Begleiterscheinungen zahlreicher, ganz unterschiedlicher Erkrankungen. Sie treten beispielsweise bei somatoformen Störungen und ähnlichen Krankheitsbildern, weil sich die Betroffenen oft weitestgehend körperlich schonen und

Bei Alkoholmissbrauch und anderen Suchterkrankungen gehört Müdigkeit ebenfalls zu den Symptomen.  Foto: VadimGuzhva/Fotolia

damit auf ähnliche Weise zum Gefühl der Ermüdung beitragen, wie dies etwa bei Bewegungsmangel passiert.

 

Bei Suchterkrankungen sind es einerseits die Entzugserscheinungen, die den Körper erschöpfen, andererseits sind es die Schädigungen, die Alkohol und andere Drogen an den Organen hinterlassen, die ebenfalls zu anhaltenden Ermüdungszuständen führen. Neurologische Erkrankungen wie etwa Parkinson können sogar von einer als chronisch zu bezeichnenden Müdigkeit begleitet werden. Das Phänomen wird häufig als „Fatigue“ bezeichnet und steht meist in Verbindung mit einer Krebserkrankung. Allerdings treten derartige Erschöpfungszustände tatsächlich in verschiedenen Zusammenhängen auf.

 

Fatigue: Wenn Müdigkeit chronisch wird

Eine der schwerwiegendsten Diagnosen in Folge von chronischer Müdigkeit ist eine Krebserkrankung. So kann das andauernde Gefühl der Müdigkeit bereits auf einen Tumorbefall im Lymph- und Blutsystem hindeuten. Tatsächlich ist Fatigue aber nicht nur in diesem Anfangsstadium der Erkrankung ein übliches Symptom, es begleitet im Grunde genommen den gesamten Krankheitsverlauf, weil eben auch Chemotherapien, Bestrahlung und Operationen eine erhebliche Schwächung des Körpers bewirken.

Müdigkeit bei Krebspatienten

Da das Fatigue-Syndrom bei einer Krebserkrankung durch unterschiedliche Ursachen hervorgerufen werden kann, wird hierbei von einer multifaktoriellen Erkrankung gesprochen. Die Erkrankung an sich, die dadurch bedingten Operationen und/oder medikamentösen Behandlungen, die Strahlentherapie sowie die daraus resultierenden Folgeerscheinungen wie Blutarmut, Schmerzen und häufig Mangelernährung erschöpfen den Körper im ungünstigsten Fall über einen langen Zeitraum.

 

Eine Krebserkrankung raubt den Betroffenen auf vielfältige Weise Kraft, Ermüdungszustände gehören daher zum Krankheitsverlauf dazu.  Foto: Rido/Fotolia

Entsprechend der vielfältigen Ursachen sind auch die Behandlungsansätze ganz unterschiedlich. Die Müdigkeit steht dabei oftmals nicht so sehr im Vordergrund, da sie lediglich als Symptom der eigentlichen Erkrankung auftritt. Ein wichtiger Aspekt, um die krebsbedingte Fatigue zu überwinden, ist eine gesunde Balance zwischen Ruhe und Aktivität. Dass die Leistungsfähigkeit in Folge einer Krebserkrankung und der damit zusammenhängenden Behandlungen leidet, sollte dabei zwar berücksichtigt, aber nicht als Ausrede für zu lange Ruhephasen angestrengt werden. Tatsächlich ist es auch nicht notwendig, sich besonders intensiv körperlich zu betätigen, in erster Linie geht es darum, im Rahmen der Möglichkeiten überhaupt aktiv zu werden.

 

Laut Angaben des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen in Heidelberg konnten einige positive Effekte von körperlicher Aktivität bei Krebs in Studien nachgewiesen werden, allerdings sind nicht alle förderlichen Wirkungen ausreichend durch Untersuchungen belegt. Für die krebsassoziierte Müdigkeit gibt es beispielsweise stichhaltige Nachweise für die Wirkung von Aktivität bei Betroffenen von Prostatakrebs, Brustkrebs sowie hämatoonkologischen Erkrankungen. Eine gesicherte Evidenzlage für andere Krebsarten steht zwar noch aus, allerdings lassen sich anhand einzelner Studien wohl ähnliche Effekte erwarten.

Chronisches Erschöpfungssyndrom

Eine derartige Therapierung ist auch ein denkbarer Lösungsansatz bei einem Leiden unter dem Chronischen Erschöpfungssyndrom, auch Chronisches Fatigue Syndrom (CFS). Das Ziel der Behandlung ist in jedem Fall eine gesteigerte Aktivität, um damit folgerichtig die Belastbarkeit zu steigern. Neben der Bewegungstherapie kann das mit Hilfe der Psychotherapie erreicht werden. Unproblematisch ist die Behandlung aber aus verschiedenen Gründen nicht:

  • CFS ist zwar mit weltweit rund 17 Millionen Betroffenen keine seltene Krankheit, sie ist dennoch kaum erforscht, worauf die Deutsche Gesellschaft für ME/CFS e.V. hinweist. Genaue Aussagen über die Ursachen können daher nach wie vor nicht getroffen werden.
  • Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat CFS zwar schon vor 50 Jahren als neurologische Erkrankung eingestuft, die Ursachen können aber durchaus in gänzlich anderen Bereichen liegen: Möglich ist beispielsweise eine Autoimmunerkrankung, genauso wie eine schwere Störung des Energiestoffwechsels und nicht zuletzt kommen Virusinfektionen als Ursachen in Betracht.

Darüber hinaus ist die Bezeichnung selbst bereits irreführend. Neben den Namen Chronic Fatigue Syndrom und Chronisches Erschöpfungssyndrom ist auch der Begriff Chronisches Müdigkeitssyndrom geläufig. Darin liegt jedoch die Gefahr, das Ausmaß der anhaltenden Erschöpfungszustände der Patienten falsch einzuschätzen – denn tatsächlich geht es bei dieser Erkrankung um mehr als bloße Müdigkeit. Es zeigt sich also einmal mehr, dass dieses Thema immer mit einem differenzierten Blick erfasst werden muss, sobald die Diagnose über den reinen Schlafmangel hinausgeht.

 

Quellen:

Ruhr Uni Bochum

Techniker Krankenkasse

Peak Sportnahrung

Lungenärzte im Netz

Deutsche Hochdruckliga e.V.

Schweizer Archiv für Neurologie und Psychiatrie

Parkinson Aktuell

Deutsche Krebsgesellschaft

Nationales Centrum für Tumorerkrankungen Heidelberg

Ärzteblatt

Deutsche Gesellschaft für ME/CFS e.V.

 

 

 

 

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